WENN DER REGEN AUFHÖRT
Es gibt diese Momente im Oktober, in denen der Regen gerade aufgehört hat und die Welt kurz den Atem anhält. Die Luft riecht nach nassem Laub, alles glänzt, und Bibo steht schon ungeduldig an der Tür. Für ihn heißt das: Pfützen, neue Gerüche, Abenteuer. Für mich heißt es: Kamera schnappen.
Aus dem kurzen Spaziergang wurde wie so oft ein langer. Denn wer nach einem Regenschauer genau hinschaut, entdeckt eine Welt, an der man sonst achtlos vorbeiläuft. Die Bilder sind alle spontan entstanden, aus der Hand, ohne Stativ und ohne Plan, so wie es bei unseren Shots des Tages eben ist.
DER BODEN ALS FARBPALETTE
Das erste Motiv lag direkt vor meinen Füßen: ein Eichenblatt auf moosbewachsenem Stein, übersät mit Regentropfen, quer darüber ein trockener Grashalm. In jedem Tropfen spiegelt sich ein winziges Stück Licht. Ich hätte es fast übersehen. Bibo nicht, er hat natürlich erst mal daran geschnuppert.
Wenige Schritte weiter wurde der Weg selbst zum Kunstwerk. Gefallenes Laub in allen Herbsttönen, von Senfgelb über Orange bis Rostbraun, verstreut zwischen Steinchen und Erde. Kein Gestalter hätte das schöner arrangieren können. Und doch gehen wir jeden Tag darüber hinweg, ohne hinzusehen.
ZWISCHEN GRÜN UND GOLD
Am spannendsten fand ich die Blätter, die sich noch nicht entschieden haben. Manche hängen sattgrün und voller Tropfen an den Zweigen, als wäre noch Sommer. Andere sind schon halb gelb, mit braunen Flecken und feinen Spuren, die der Sommer hinterlassen hat. Und dann gibt es die ganz hellen, fast durchsichtigen Blätter, die nur noch an einem dünnen Stiel hängen und im Wind schaukeln.
Genau dieser Übergang macht den Oktober für mich so besonders. Nichts ist fertig, alles ist im Wandel. Ein einzelnes Blatt erzählt manchmal die ganze Geschichte einer Jahreszeit, von Grün über Gold bis Braun. Und zwischendurch überrascht eines in leuchtendem Pink, als wollte es aus der Reihe tanzen.
LICHT IM WALD
Irgendwann brach die Sonne durch. Tief stehend, golden, und sie schickte ihre Strahlen zwischen den Baumstämmen hindurch. Der ganze Wald wirkte plötzlich wie von innen beleuchtet. Mittendrin: ein kleiner schwarzer Punkt auf dem laubbedeckten Waldboden. Bibo, völlig unbeeindruckt von der Stimmung, aber sehr beschäftigt mit einer interessanten Spur.
Das ist eines meiner liebsten Bilder dieser Runde. Nicht weil es technisch perfekt ist, sondern weil es genau zeigt, worum es bei unseren Touren geht: Er erkundet die Welt mit der Nase, ich mit der Kamera. Und am Ende haben wir beide etwas gefunden.
EIN LETZTER TROPFEN, EIN LETZTER SOMMERGRUS
Auf dem Rückweg fielen mir die dünnen Zweige auf, an denen noch einzelne Regentropfen hingen. Jeder einzelne eine kleine Linse, in der sich die Welt kopfüber spiegelt. Dafür braucht es Geduld und eine ruhige Hand, und einen Hund, der kurz mal stillhält. Das hat nicht jedes Mal geklappt.
Am Abend zog der Himmel dann noch einmal alle Register, mit zarten Wolkenschleiern in Blau und warmem Orange. Und ganz zum Schluss standen sie da, als hätte jemand vergessen, dem Sommer Bescheid zu sagen: Sonnenblumen und leuchtend gelbe Blüten, mitten im Oktober. Ein schönerer Abschluss für diesen Tag war kaum denkbar.





































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